Klaus Lederer: Links und libertär?

16 Februar 2010 von daniel Kommentieren »

Warum die Linke mit individueller Freiheit hadert

Von Klaus Lederer

Die Linke, als Partei wie als gesellschaftliche Strömung, ist gegenwärtig in keiner guten Verfassung. Dass manche Menschen, die sich in der PDS über Jahre engagiert haben, mit ihrer Partei hadern, hat seinen Grund auch darin, dass die Geringschätzung individueller Selbstverwirklichungs- und Emanzipationsansprüche in der „Linken“ wieder stärker zu vernehmen, ja geradezu salonfähig geworden ist – und dass Zweifel und Widerspruch in der neuen, vereinigten Partei nicht gern gesehen sind.

Wenn Dissidenz und Differenzierung innerparteilich nicht mehr ertragen werden, wenn wieder Argumente zu hören sind wie „Was nützen einem Aidskranken Schwarzen im Süden das allgemeine Wahlrecht und die Meinungsfreiheit?“, dann werden Schmerzgrenzen überschritten. Schmerzgrenzen, die sich für viele früher bereits in der PDS engagierte Menschen aus der bitteren Erfahrung der „Neuerfindung“ nach 1989/90 und der damit verbundenen Auseinandersetzung um das verbliebene Erbe entwickelt haben. In der neuen „Linken“ scheint die Neu- bzw. Rückbesinnung auf „das Kollektive“, „die Massen“ und ihre Gleichheit zu reüssieren, und manche glauben dabei, man könne den Freiheitsbegriff und die Individualität getrost „den anderen“ überlassen.

Diese Herablassung gegenüber Individualismus und individuellen Freiheitsrechten ist eine unschöne linke Tradition. Das klingt in etwa so: Die freiheitlichen Errungenschaften der bürgerlichen Gesellschaft seien gewissermaßen Fassade, die den Unterdrückten das Herrschaftssystem schmackhaft machen, um sie von ihrer „eigentlichen“ kollektiven Mission abzulenken. Sie seien, kurzum, bloß „bürgerliche“ Freiheit, während das Eigentliche, Wahre, Erstrebenswerte doch darüber – nämlich über „den Kapitalismus“ – hinausgehen müsse. Eigensinn und „Dekadenz“ bedeuten folglich, der sinistren Durchkreuzungsstrategie dunkler Mächte gegen die allgemeine Befreiung der Massen auf den Leim gegangen zu sein, die kollektiven Interessen verraten, sich auf sein eigenes, kleines, privates Glück zurückgezogen zu haben.

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(c) Blätter für deutsche und internationale Politik 2009